Man wird sehen …

Wer kennt es nicht?! Manchmal gehen einem die Pferde durch und man verliert sich. Und dann fragt man sich, was Hegel eigentlich von Hölderlin unterscheidet. Dabei ist die Antwort so einfach. Scheinbar trennten sich Hölderlin und Hegel dort, wo das eine versuchte über die Dichtung hinaus etwas zu fixieren, was allein im poetischen sich fassen lässt, während beides preußisch blau sich färbte. In grausamer Konsequenz also hinter den Holocaust zurück fällt und ihn dadurch vorbereitet. Zum Glück bin ich kein Philosoph – im Theater darf alles sein. Denn ich mag nun für ein Paar Augenblicke Hölderlin nachgehen, dessen Gesänge aufs Vaterland mir rasselnt die Laune vermiesen. Dennoch ist seine Mnemosyne so anziehend, wie ihr Strickstrumpf.

Und verirrt hat sich jeder einmal und hielt sich vielleicht für einen Teil einer Nachkommenschaft, die ihm niemals zugedacht war. Plötzlich richtet man sich an Inselbegabte und unternimmt es, dort einen kritischen Versuch anzubringen, wo alles andere als die Kunst selbst versagen muss. Doch just an diesem Punkt, kann einem bewusst werden, dass man eben die Sprache der Künste und nicht der Philosophie spricht. Vor dem, der beides ins eins bringt zöge ich den Hut und würde mich zur StandingOvation hinreißen lassen – was ich niemals tu. So geschah obiges jedenfalls mir und ich erkannte die Grenzen des Gegenstandes und die Sprache seiner selbst zu spät, um mich vor maulhaften Peinlichkeiten zu bewahren. Im Ergebnis jedoch, ist mir etwas deutlicher, als jemals zuvor: ich bin kein Philosoph oder Soziologe, sondern Theatermacher. Als Theatermacher kann man sich leicht vertun, oder. es gibt sogar manchen Schreiber, dessen Dasein als Theaterautor ein erfüllteres wäre, als das eines Probanten in den genannten anderen Disziplinen. Wohin mit all dem Hass, der Leidenschaft, dem psychotischen Gerede vom All-Einen?

Das Theater ist die Philosophische Müllkippe der Geschichte. Aber das ist O.K.

Einerseits wird verwertet, andererseits wird entsorgt. Papier und Leib sind träge und geduldig. Sie machen allerlei mit, bevor sich ein Widerstand regt. 2020 hat dies bewiesen. Die Grenzen sind dehnbar. Das mag die Tragödie der Philosophen sein, doch andererseits das Lustspiel der Theatermacher. Lust. Spiel.

Die Nymphe Mnemosyne ist ein gewagter Versuch, die Poetische Ichheit zu betrachten, von der Hölderlin sang und Hegel niemals reden konnte. Eine Konsequenz aus dem verirren im deutschen Idealismus ist, in der Dichtung das dritte zu finden, welches über die Dialektik hinaus den Menschen versucht zu denken. Schöpferisch und um eine Dimension erweitert. Das poetische Potential ein Drittes zu erzeugen, kann allein im performativen Gedacht werden. Im technisch befreiten – Layers, Loops, Processing in Echtzeit und Dingwesen. Also heute.

Mehr zu diesem Gedanken wird es wohl im Dezember 2021 geben.

Zu etwas anderem: wenn Sie bis hier hin gelesen haben, dann nehme ich an, dass Sie zu den stolzen 170 Besuchern zählen, die laut Statistik meines WordPress monatlich hier vorbei schauen. Daher eine Bitte: verfassen Sie doch einen Kommentar oder schreiben eine Mail. Mich interessiert nach einem Jahr Arbeit, wer sich ebenso für meine und unsere Arbeit begeistern kann. Also außerhalb des Zuschauerraumes.

Man wird sehen …