Digitales Objekttheater #1

In „Ein Zweifelhaftes“ wenden wir uns der Individuation zu. Wir zerlegen das, was den meisten von uns als „Ich“ erscheint, in die Bestandteile, die am Ende doch nichts als allgemeine Angebote darstellen, die eine wahrhafte Individualität verhindern. Wir beginnen mit dem ersten schöpferischen Akt des Kindes, nämlich dem Erwecken von einem Kuscheltier. Der Moment, in dem das Kind sich selbst beginnt zu erschaffen, den Ödipuskomplex erlebt und infantil narzistisch beginnt, die Außenwelt zu unterwerfen. Wir berichten von Versuchen, sich im späteren Verlauf am Objekt der Begierde zu erkennen und festzuhalten, und vom Abgrund, der dann uns zu verschlucken droht, wenn wir wieder alleine sind und nicht nur die Liebe, sondern auch uns verloren haben. Am Ende unternehmen wir den Versuch, ein Ritual zu feiern, welches uns aus dem flüchtigen Dazwischen, in ein neues, individuelles, sich selbst ermächtigtes Subjekt überführt. Kurz: es geht um die gewollte, potentiell gewalttätige Scheidung von Subjekt und Objekt.

In meinem neuen Projekt, geht es genau um das Gegenteil: die schöpferische Verschmelzung von Subjekt und Objekt, die scheinbar etwas drittes, poetisches hervorbringt, welches sich als Kunst erfahren lässt. Es geht hier im weitesten Sinne um Objekt-Theater, welchem ich vorsichtig das Maskenspiel anhefte. Konkreter geht es um Digitales Objekttheater und Digital Puppetry.

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Ein Zweifelhaftes

Als Kind legen wir alle Seelenteile in ein Objekt, ein Unbelebtes wird belebt, oder gar halluziniert als Unsichtbares, welches für uns dann realer ist, als jeder Andere, zumindest aber mehr Bedeutung hat, da es stets an unserer Seite ist und uns ähnlicher ist, als die Mutter es je sein könnte – ist es doch ganz wir. Es gibt Versuche Freuds Unterstellung des infantilen Narzissmus, in primitiven Kulturen, zu widerlegen, wenn die Rede von indianischen Völkern ist, die alles dem Menschen gleich machen und so, scheinbar, die Besonderheit des Menschen aufheben. Ich halte die Versuche für zu voreilig; wenn doch alles Mensch ist, scheint mir ebendies Narzissmus schlechthin zu sein, egal ob die Anima nun im Tiere oder Menschen wohnt, bleibt es doch der Mensch der die Gleichsetzung vollzieht. Aber vielleicht drängt sich dieser Gedanke nur so hartnäckig auf, weil für mich der Dualismus nur schwer aufzuheben ist, bin ich doch durch und durch nach diesem sozialisiert. Wirft man einen Blick in die Psychoanalyse, so bleibt einem nichts andres übrig, als vorerst den Dualismus als Notwendigkeit zu erkennen, um das Subjekt vom Objekt zu scheiden, was den Urmenschen sicherlich im Angesicht des Säbelzahntigers, des Öfteren das Leben gerettet haben könnte. Doch wie verlässt das Kind den narzisstischen Zustand und nimmt die Entwicklung zu einem Subjekt auf? Wer geleitet es von dem einen Zustand in den Nächsten? Gehen biologisch psychische Prozesse einher mit ordnungs- und identitätstiftenden kulturellen Ritualen?

Ja, so meine These. Jede Kultur kennt Initiationsriten, nur in der westlichen Zivilisation ist kaum noch etwas davon über als vielleicht noch die Erstkommunion, die aber weniger Bedeutung als der 18. Geburtstag hat. Eine bewusste Veränderung der Stellung in der Gesellschaft, die auch respektiert und nicht relativiert wird, gibt es kaum noch, gilt doch noch der 20 Jährige als nicht ernstzunehmend und muss sich den Respekt erst noch erarbeiten, wahrscheinlich härter als jedes Ritual es erzwingt. Es gibt keine Initiation, die nicht relativ zu Klasse, Kultur oder Bildungsstand ist. Die Biologie ist – zum Glück – nicht länger maßgebend, was wir auch der erfolgreichen Installation eines Rechtsstaates verdanken, der basierend auf Psychologie garantiert, dass die menstruierende Zehnjährige nicht länger als heiratsfähig gilt. So ist die Abwesenheit von Initiationsriten ambivalent: sie schützt das Individuum in seiner selbstbestimmten Ich-Entwicklung, während gleichzeitig die Unsicherheit über Status und Reife des Individuums, sich der Zweifel des Subjektes über sich selbst ermächtigt und das Moment der nicht-Zugehörigkeit ins endlose gestreckt wird. Orientierungslosigkeit mag die erdrückende Folge sein, die zur Reproduktion von allgemeinen, nicht individualistischen Idientitäsentwürfen, wie die der stereotypischen Mutter oder des wertschöpfenden Angestellten nötigen. Varianten der Identitäten gibt es auf dem Markt (oder in archaischen Kulturen) noch und nöcher, missachten sie jedoch die wahrhaftige Individualität brutal, geben sie sich auch noch so individualistisch. So werden alle gleich oder werden auf ihren Platz verwiesen. Systemerhaltende Ordnungen werden zementiert und das Streben nach subjektiven Lebensentwürfen zumindest doch erschwert – schlimmer sind noch die Lügen über das Sein. Sie stürzen reihenweise die Entmenschlichten in Abgründe, die sich nicht mal auf den trügerischen Flügeln der tauschgeschäftigen Liebe überwinden lassen.

Die Performance „Ein Zweifelhaftes“ widmet sich genau dieser Problematik und vollzieht eine rituelle Handlung, die aber in ihrer Liminalität stecken bleibt, die, obschon das Opfer dargebracht wird, die dualistische Reflexion des Dazwischen aufrechterhält, steht am Ende doch nichts, als die Orientierungslosigkeit, die für einen Moment erträglich wird.

Bald mehr dazu.

Stimme, Text und Zwerchfell

In der letzten Woche durfte ich einen Workshop in Düsseldorf geben. Gefragt war Sprechtraining für Hobbyfilmer.

Ich bin kein ausgebildeter Sprecher, noch mache ich Jobs als solcher. Allerdings, seit Harald Kleinecke mich damals für meine erste Rolle vorbereitet hatte (Orest in Elektra von Hofmannsthal), stand mir ein gewisses Talent für artikulierte und laute Sprache zur Verfügung. Bis dahin war das Gegenteil für mich üblich. Zumindest, wenn es um öffentliches reden ging. Der Trick war damals, Weiterlesen „Stimme, Text und Zwerchfell“

Kinderstube Jugendtheater

Ein paar Bilder, die ein wenig dokumentieren, welche Arbeit ich im leeren raum e.V. in Kleve gemacht habe. Dieses Projekt aus dem Jahr 2015 trug den Titel: „Wenn Kunst die Welt verändern kann, muss ich es nicht tun“ und wurde vom Fonds Soziokultur gefördert und durch das Theater im Fluss möglich gemacht. Es war mein erstes biografisches Theaterprojekt und ich bin immer noch sehr dankbar für das Vertrauen, welches mir, Marie Richter, Andreas Giese, Eva Bühnen, Laura van Meurs, Selina Koenen und Mikula Schulz entgegengebracht haben. Eine wundervolle Erinnerung! Die Fotos stammen von Jana Kathrin vom Fotostudio Peschges, Kleve.

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