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spooky & severin: alone together

YouTube-Poster

Für die Aktion Die Bühne (Essen) haben wir eine neun Minütige Video-Performance zusammengebaut. Die Hintergrund Animation ist von Daniel Derg – der Point-Cloud-Patch ist von mir (basierend auf diesem Tutorial). Die Musik habe ich von Shifted geliehen und die Vocals aus einem TED-Talk von Rabbi Lord Jonathan Sacks rausgeschnitten und dann komponiert. Im Resolume geprocessed und von Daniel auf den Limbecker-Platz gemappt. Angetrieben von Akkus im Lastenfahrrad.

Das Thema des TED-Talks war die Frage, wie der Einzelne der Angst und Einsamkeit, im Angesicht einer sich schwindelnd wirbelnden Welt, entgegentreten kann. Seine Antwort ist so christlich wie jüdisch und gleichsam beruhigend und motivierend. Denn dem befreiten ICH, befreit da selbständig, selbstbestimmt und selbstbewusst, stellt er das WIR zur Seite. Allerdings nicht als Homogenes, sondern im Widerspruch sich Schätzendes und irgendwie Liebendes. Es gibt kein schöneres Ende seiner Rede, als der gewählte Psalm 23:4:

though I walk through the valley of the shadow of death, I will fear no evil, for you are with me (אף על פי שאלך בעמק צל המוות, לא אפחד רע כי אתה איתי)

Der TED-Talk ist vier Jahre alt, aber in Anbetracht der derzeitigen Spannungen und allerlei Gründen sich zu fürchten oder zu hassen, ist dies wohl DER Text, der auf den Straßen gehört werden sollte. Zugegeben etwas schmalzig, aber mir war es ein Anliegen zum Jahresende die richtigen Worte zu wählen, wenn wir aus guten Gründen keine 2G Veranstaltungen durchführen wollen. Also spielen wir auf temporären Bühnen draußen in der ganzen Stadt, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen und vor allem die Kunst dorthin zu bringen, wo sie sich unter den Einzelnen frei Entfalten kann – ohne an der Theaterkasse den Job von Medizinern, Juristen, Ethikräten und Politikern machen zu müssen. Diese Art von „Selbstverwaltung des Volkes“ halten wir für verlogenes Schmierentheater. Demokratische Arbeitsteilung finden wir gut. Autoritäre Volksmassen, wütend in zwei Lager geteilt, und unverständliche Beschlüsse zum Aufschub von gesetzlichen Zwängen empfinden wir keinesfalls als Ausdruck einer mündigen Gesellschaft. Im Gegenteil: so springt man mit Kindern um, denen man am Ende doch Hausarrest gibt.

Dann gehen wir eben raus – spielen. Das ist schließlich auch unser Job.

So also zum Jahresende, im zweiten Corona-Winter eine Einladung an alle, die den Widerspruch schätzen und doch in Freundschaft performative Räume erhalten wollen. Damit es Morgen nicht ganz so kalt und einsam ist und wenigstens auf den Straßen getanzt wird. Getestet, Genesen, Geimpft, Gechippt und was man sonst so sein kann, um sich nicht krank zu machen. Weder im Kopf, noch in der Lunge.

Also verabschieden wir zufrieden das Jahr 2021 und blicken trotz der allgemeinen Widrigkeiten auf ein gutes Jahr mit einigen Performances und schönen Momenten zurück. Hoffentlich gehts so weiter – denn dann wird bald alles gut.

Wir würden uns übrigens auch sehr freuen, wenn die ca. 150 monatlichen Leser (laut anonymer Stats) mal einen Kommentar darlassen. Wir sind neugierig, wer ihr seid!

A git Rosh, Menschen!

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